Checkliste – Wohnraumanpassung bei Demenz

Bereits kleine Veränderungen können die Wohnsituation für den Pflegenden aber auch für den Pflegebedürftigen deutlich verbessern. Beachten Sie folgende Hinweise:

1. Nehmen Sie die Anpassungen so unauffällig wie möglich vor.
2. Führen Sie die Veränderungen in einem möglichst frühen Stadium der Erkrankung durch.
3. Prüfen Sie stets, ob die Anpassungen in Ihrem individuellen Fall notwendig bzw. sinnvoll sind.

 

Vertrautheit schaffen – Ängste vermeiden 

  1. Reizüberflutung verhindern – Schatten vermeiden

    1. Gestalten Sie die Wohnung einfach und übersichtlich.

    2. Verzichten Sie auf starke Muster.

    3. Achten Sie auf spiegelfreie Böden und Oberflächen.

    4. Vermeiden Sie Schatten und dunkle Ecken in der Wohnung.

    5. Achten Sie auf helles, blendfreies Licht in Wohnung und Treppenhaus.

  1. Orientierung bieten – zentrale Anlaufpunkte kennzeichnen

    1. Versehen Sie die Türen mit Bildern bzw. Piktogrammen, die den Raum beschreiben.

    2. Beleuchten Sie wichtige Türen hell oder kennzeichnen Sie farbig.

    3. Lassen Sie – wenn möglich – die Türen offen stehen.

    4. Hängen Sie nicht genutzte Türen aus.

  1. Selbstständigkeit fördern – ausgewählte Kleider und Bilder

    1. Bieten Sie im Kleiderschrank keine zu große Auswahl.

    2. Bringen Sie Fotos und Bilder an den Schranktüren an, die den Inhalt zeigen.

  1.   Ausreichend Beleuchtung – auch nachts

    1. Platzieren Sie eine leicht bedienbare Lampe mit erreichbarem Schalten neben dem Bett.

    2. Bringen Sie Nachtlichter bzw. Bewegungsmelder an. Wichtig: Das Licht muss z. Bsp. für den Weg ins Bad lange genug an bleiben.

  1. Zeit und Datum – Lesbarkeit und Symbole bieten Orientierung

    1. Achten Sie bei Uhren auf gute Lesbarkeit – große Ziffern und Zeiger.

    2. Achten Sie bei Kalendern auf große Zahlen und Bilder / Symbole der jeweiligen Jahreszeit.

  1. Angstauslösende Quellen beseitigen

    1. Falls notwendig: Entfernen oder verhängen Sie alle Spiegel.

    2. Falls notwendig: Entfernen oder verbergen Sie Fernseher und / oder Radio.

 

Die eigene Wohnung als Gedächtnisstütze

  1. Erinnerungsecken, Aktivitätenzonen und gemütliche Plätze

    1. Schaffen Sie Erinnerungsecken – z. Bsp. mit Bildern vertrauter Personen, alten Briefen, etc.

    2. Platzieren Sie vertraute Möbel in der Wohnung.

    3. Schaffen Sie Aktivitätszonen – z. Bsp. Arbeitsplatz in der Küche oder Werkstatt / Arbeitstisch im Arbeitszimmer.

    4. Stellen Sie einen bequemen Sessel vor ein Fenster an einem geschützten Platz.

  1. Den Garten zum Zu Hause machen – Natur stimuliert und beruhigt

    1. Unterstützen Sie das Interesse an Gartenarbeit. Hoch- bzw. Tischbeete erleichtern die Pflanzenpflege.

    2. Legen Sie einen Rundweg durch den Garten an. Achten Sie auf trittfesten Untergrund.

    3. Entfernen Sie giftige Pflanzen.

    4. Achten Sie auf einen ebenerdigen Zugang zu Balkon bzw. Terrasse.

    5. Markieren Sie vorhandene Schwellen kontrastreich.

 

Selbstständigkeit erhalten und fördern

  1. Anpassung in der Küche – technische Ausstattung reduzieren

    1. Herdbenutzung: Ein Kochplattenherd ist eventuelle vertrauter als ein Ceran- bzw. Induktionsherd.

    2. Reduzieren Sie die technischen Geräte in der Küche.

  1. Spezielle Seniorentelefone erleichtern die Bedienung

    1. Schaffen Sie sich ein Seniorentelefon an.

    2. Kennzeichnen Sie die Tasten mit Fotos der Kontaktperson.

    3. Alternativ: Erwerben Sie ein Telefon mit Kinderschaltung.

    4. Stellen Sie das Telefon aan einen festen Platz.

    5. Eventuell ist es hilfreich ein Telefon mit Wählscheibe zu installieren.

  1. Anpassung im Badezimmer – Verwechslungen vermeiden.

    1. Installieren Sie eine Toilettensitzerhöhung und Haltestangen.

    2. Heben Sie Toilettendeckel und – brille farbig hervor.

    3. Prüfen Sie die Notwendigkeit eines Toilettenstuhls.

    4. Prüfen Sie, ob eine Zweiggriffarmatur besser geeignet ist als ein Einhebelmischer.

 

Gift und Feuer – Gefahrenquellen erkennen und beseitigen

  1. Gefahrenquelle Herd – moderne Technik schützt

    1. Installieren Sie ein Herdsicherungssystem (falls möglich gekoppelt mit dem Hausnotruf)

    2. Alternativ: Erwerben Sie einen Herd, der bereits über ein Herdsicherungssystem verfügt.

    3. Ersetzen Sie Gas- durch Elektroherde oder unterbrechen Sie die Gaszufuhr.

  1. Zeitschaltautomatik und Kindersicherung

    1. Installieren Sie eine zeitgesteuerte Abschaltautomatik für den Herd.

    2. Installieren Sie Zeitschaltuhren für Elektrogeräte.

    3. Versehen Sie – falls nötig – Steckdosen mit Kindersicherungen.

  1. Badezimmer – Sicherheit bei der täglichen Hygiene

    1. Versehen Sie Armaturen mit einem Temperaturbegrenzer oder einer Thermostatmischbatterie.

    2. Falls ein Boiler vorhanden ist – Stellen Sie ihn auf eine niedrige Temperatur.

    3. Bringen Sie an Dusche, Badewanne und Waschbecken Überläufe und Füllstandsmelder an.

    4. Achten Sie darauf, dass sich die Badezimmertür nach außen öffnen lässt.

    5. Falls nötig entfernen Sie alle Schlüssel an den Zimmertüren.

  1. Vergiftungsunfälle vermeiden

    1. Entfernen Sie giftige und stachelige Pflanzen aus Haus, Garten und Balkon.

    2. Schließen Sie Reinigungsmittel, giftige Sprays und Blumendünger sicher weg. Achten Sie zusätzlich auf kindersichere Verschlüsse.

    3. Falls notwendig stellen Sie Dusch- und Körperpflegemittel außer Reichweite.

  1. Weitere mögliche Gefahrenquellen

    1. Verwahren Sie Rasierer, Lockenstab und Fön sicher.

    2. Schließen Sie Feuerzeuge und Streichhölzer sicher weg.

    3. Prüfen Sie, ob Messer und Scheren ebenfalls entfernt werden müssen.

  1. Fenster, Balkon und Türen sichern

    1. Bringen Sie, falls notwendig, Sicherungen an Fenstern in oberen Stockwerken an.

    2. Erhöhen Sie ggf. die Balkonbrüstung auf 1,10 m.

    3. Versehen Sie Glastüren mit auffälligen Aufklebern.

    4. Bringen Sie Splitterschutzfolie oder Sicherheitsglas an.

    5. Installieren Sie an der Eingangstür einen Doppelzylinder im Schloss.

 

Tägliche Aufgaben der Pflege erleichtern

  1. Pflegebetten und Hebemechaniken

    1. Erwerben Sie – wenn möglich – ein spezielles, höhenverstellbares Pflegebett.

    2. Alternativ: Erwerben Sie eine elektrische Hebemechanik (anstelle des Lattenrostes) oder lassen Sie das Bett durch einen fachkundigen Schreiner erhöhen.

  1. Dusche und Badewanne – Hilfe bei der täglichen Hygiene

    1. Prüfen Sie, ob der Einbau einer separaten Dusche (ebenerdig) möglich ist.

    2. Platzieren Sie einen speziellen Duschstuhl oder Duschhocker in der Dusche.

    3. Wenn möglich, installieren Sie ein Badewannenbrett oder einen Badewannenlifter.

  1. Barrierefreie Wohnungen sorgen für mehr Bewegungsfreiheit.

    1. Achten Sie auf eine Wohnung ohne Treppen.

    2. Achten Sie beim Umzug auf eine barrierefreie Wohnung.

 

Ruhe und Rückzug für Pflegende Angehörige

So schaffen sich Pflegende Raum für Erholung:

  1. Halten Sie Bereiche, die der Erkrankte betreten kann, im Hellen, Bereiche, die er nicht betreten soll, im Dunkeln.

  2. Lassen Sie Ihren Ruheplatz hinter einem dunklen Vorhang verschwinden.

  3. Überlegen Sie, ob getrennte Schlafzimmer eventuell geeigneter sind.

  4. Nutzen Sie ein Babyphon.

 

 Maßnahmen gegen Weg- und Hinlauftendenzen

Bitte wägen Sie individuell ab, ob die folgenden Anpassungen erforderlich und angemessen sind. Beachten Sie: Ist der Ausgang durch die Tür versperrt, kann es sein, dass Ihr Angehöriger versucht, die Wohnung durch ein Fenster zu verlassen. Statten Sie deshalb die Fenster möglichst mit Sicherheitsverriegelungen aus.

  1. Licht und Schatten nutzen

    1. Hell beleuchtete Bereiche sind für den Erkrankten interessant – dunkle Bereiche unangenehm / uninteressant.

    2. Halten Sie die Eingangstür im Dunkeln.

    3. Verbergen Sie die Haustür hinter Vorhängen oder Wandschirmen.

    4. Richten Sie auffällige Aktivzonen in der Nähe der Eingangstür ein.

    5. Legen Sie einen großen schwarzen Vorleger vor die Tür.

  1. Akustische und optische Signale warnen beim Verlassen der Wohnung

    1. Koppeln Sie einen Bewegungsmelder oder eine Infrarotschranke neben der Tür mit einem akustischen und optischen Alarm.

    2. Alternativ: Installieren Sie ein entsprechendes Alarmsystem am Türrahmen bzw. eine Türglocken oder aber auch ein einfaches Glöckchen.

    3. Legen Sie eventuelle eine handelsübliche Alarmtrittmatte vor die Tür bzw. auch vor ein bestimmtes Zimmer.

  1. Kleidung, Stock und Schlüssel entfernen

    1. Falls notwendig: Verstecken Sie Gegenstände, ohne die Ihr Angehöriger die Wohnung normalerweise nicht verlässt (Hut, Spazierstock, etc.).

    2. Verwahren Sie Schlüssel stets sicher.

  1.  Balkon und Garten sichern

    1. Verkleben Sie Balkontüren aus Glas im unteren Bereich mit blickdichter Folie.

    2. Hat der Garten einen Zugang zur Straße, ziehen Sie einen Zaun und das Grundstück oder bepflanzen Sie den Zugang mit dichten Sträuchern.

    3. Sichern Sie ein Gartentor mit einem Schloss.

    4. Optimal: Legen Sie einen Rundweg im Garten an.